Konsum

Wie dein Konsum den Planeten zerstört

Wir sind zu tiefst moralische Wesen: Glaubt man zumindest den zahlreichen Meinungsumfragen die täglich durchgeführt werden, kaufen wir längst nur mehr fair gehandelte Bioprodukte und sind stets um das Wohl unseres Planeten und unserer Gesundheit bemüht. Doch sieht die Wahrheit oft ganz anders aus als wie wir uns selbst einschätzen!

Verzerrte Wahrnehmung

Wirft man nämlich einen Blick auf die tatsächlichen Verkaufszahlen der Handelsketten zeichnet sich ein ganz anderes Bild ab und es zeigt sich, dass wir keinesfalls so moralisch agieren wie wir glauben: Geiz ist geil! Obwohl der Absatz von Bioprodukten langsam aber stetig steigt bleibt der Trend zu Billiglebensmitteln nach wie vor ungebrochen. Uns kann es gar nicht wenig genug kosten, vor der Ladentheke lassen wir meist alle guten Vorsätze fallen und greifen dann doch zu Käfigeiern, hochgemästeten Schnitzeln und Palmölkeksen. Je weniger für die Grundbedürfnisse ausgegeben wird, desto mehr Geld bleibt für Luxus aller Art übrig. Da der Mensch auf Glitzer und Statussymbole abfährt und die Werbung dies schamlos ausnutzt wird primär in Handys und Autos investiert und nicht mehr ins eigene Essen. Greifen wir einmal doch tiefer in die Tasche für Lebensmittel ist dies meistens dem Genuss geschuldet und nicht der Qualität.

 

Ein globales Problem

Statt Bio Steak aus heimischer Landwirtschaft landet dann ein aus Argentinien importiertes dry aged Steak im Einkaufswagen, das unter ökologisch genauso fragwürdigen Bedingungen erzeugt wurde, wie das heimische Billigfleisch. Trotz unseres Sparwahns haben wir trotzdem noch den Hochmut uns die Gustostückerl herauspicken zu wollen. Ginge es nach uns so könnte das Huhn nur aus Flügel und Oberkeule und die Kuh aus Rib Eye Steak bestehen. Selbst der Kunde im Billigsegment würde nie etwas anderes als ein paar ausgewählten Edelteile kaufen, daher fallen täglich enormen Maßen an minderwertigen Abfallteilen an.
Wir machen uns Sorgen, ob wir eine Weltbevölkerung von 10 Milliarden Menschen noch ernähren können, leisten uns aber gleichzeitig den Luxus jährlich 60 Milliarden Nutztiere zu mästen. Schätzungen zu Folge werden 70% der weltweiten Ackerfläche allein zum Anbau von Kraftfutter für den Viehbestand verwendet. Die Erzeugung tierischer Lebensmittel, allem voran Fleisch ist extrem ressourcenintensiv: Um ein Kilo Schweinefleisch zu produzieren benötigt man bis zu 10 Kilo Kraftfutter und über 100 Liter Wasser.



Der aufmerksame Leser wird jetzt vielleicht einwerfen, dass auch die Veganer ihren Teil zum Raubbau an Mutter Natur beitragen, da doch für den Sojaanbau jedes Jahr riesige Flächen im Regenwald von Südamerika gerodet werden. Tatsache ist jedoch, dass weniger als 10% des angebauten Sojas für den direkten menschlichen Verzehrs produziert wird und dies meisten auf europäischem Ackerboden geschieht. Die in Lateinamerika angebauten Sojabohnen sind zur Ertragsmaximierung meistens gentechnisch verändert, nichts also was der skeptische europäische Konsument auf seinen Teller lassen würde. Dennoch werden tagtäglich ganze Schiffsladungen des Gensojas in die EU importiert, als günstiges Kraftfutter für die heimischem Nutztiere.
Die Flut an Billiglebensmittel reißt nicht ab, der Preisdruck wird durch alle Glieder der Lieferkette weitergegeben, ganz unten beim Bauern ist die Last schließlich am größten. Die ständig sinkenden Gewinnspannen und die Tatsache, dass bei der Produktion kaum noch Kosten eingespart werden können zwingen die Landwirte und Viehzüchter immer mehr zu produzieren um am Ende des Tages den gleichen Gewinn zu erwirtschaften. Jeder, der 1 und 1 zusammenzählen kann wird schnell merken, dass dieses Überangebot die Preise noch weiter sinken lässt und auf diese Weise ein Teufelskreis ungeahnten Ausmaßes entsteht.

 

Sklaverei im 21. Jahrhundert

Nicht nur, dass unser exzessiver Konsum die heimischen Bauern und den Amazonasregenwald ruiniert, unser Verhalten zieht noch weit größere ökonomische Kreise. Um Fleischprodukte möglichst günstig vermarkten zu können, muss möglichst viel vom Schlachtkörper verwertet werden. Daher werden all jene Teile, die der verwöhnte Westeuropäer niemals essen würde, also alles vom Schweinekopf über Innereien bis hin zu den Hühnerkrallen, in Länder mit weniger heiklen Konsumenten exportiert. Der Löwenanteil dieser Abfallteile wird in den armen Ländern Afrikas oder Asiens zu einem Spottpreis auf den Markt geworfen. Mit diesen Preisen können die ansässigen Bauern jedoch in keinster Weise mithalten. Ihrer Existenzgrundlage beraubt zieht es diese zunächst in die Elendsviertel der Metropolen Nordafrikas um dort ihr Auskommen zu finden und später dann übers Mittelmehr ins gelobte Land Europa zu fliehen. Sklaverei und Kolonialismus sind zwar längst abgeschafft, doch die Ausbeutung im 21. Jahrhundert funktioniert wesentlich effizienter und auch viel subtiler: Wir bauen auf ihren Böden das Futter für unser Vieh an, stopfen uns damit voll bis zum geht nicht mehr und anschließend verkaufen wir ihnen unsere Abfälle wieder für teures Geld. Wir leben wie die Könige auf Kosten anderer und wundern uns wenn das Elend irgendwann an unsere Tür klopft. Merke: Wenn du nicht vor Kugeln sondern vorm Hungertod Reißaus nimmst, dann bis du ein verdammter Wirtschaftsflüchtling und kannst gefälligst bleiben wo der Pfeffer wächst!
Was also tun als kleiner Mensch gegen all diese Schlechtigkeit auf der Welt? Als Einzelner kann man doch gegen die Allmacht der Konzern nichts ausrichten, oder? Soll doch die Politik was dagegen tun. Doch ich sage dir:

Du hast die Wahl und du hast die Macht! Und zwar wesentlich mehr davon als alle Politiker und Lobbyisten zusammen!

Denn mit jedem Einkauf, egal ob bar oder Kreditkarte, gibst du deine Stimme ab. All die skrupellosen Großkonzerne tun nämlich nur eines: Nachfrage befriedigen. Klar könnte die Regierung theoretisch jedes ökologisch und ökonomisch fragwürdige Lebensmittel verbieten, doch hat sich in der Vergangenheit oft genug gezeigt, dass die Konzerne immer neue Wege finden ihre Produkte doch wieder auf den Markt zu bringen wenn der Kunde danach verlangt. Gibt es allerdings keine Käufer, dann werden auch die Größten fallen. Sei dir also das nächste Mal, wenn du vorm Lebensmittelregal stehst bewusst, dass du mit jeder Kaufentscheidung einen Stimmzettel abgibst. Nur so können wir die Lebensmittelhersteller zwingen ihr Handeln zu überdenken. Mag dieser Akt eines Einzelnen auch verschwindend gering erscheinen, kann die Summe dieser kleinen Entscheidungen Berge versetzen und Welten verändern!

Fangen wir also an unserer Nahrung wieder den Stellenwert zuzugestehen, den sie verdient. Bei unserem Essen zu sparen tut weder uns noch unserer Umwelt etwas Gutes und wird und auf lange Sicht teuer zu stehen kommen!

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Quellen und weiterführende Links:
https://www.derwesten.de/panorama/60-milliarden-tiere-werden-getoetet-um-gegessen-zu-werden-id8853722.html

 

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