Abgelaufene Lebensmittel

Kann ich abgelaufene Lebensmittel noch essen?

Jeder kennt es: Beim nächtlichen Durchforsten des Kühlschranks stoßen wir auf einen lange verschollenen Schatz, das Haltbarkeitsdatum ist bereits abgelaufen. Lebensmittel sind doch kostbar, darf ich es also noch gefahrlos essen? In diesem Artikel werde ich erklären welche Arten des Verderbs von Lebensmitteln es gibt und wie man diese erkennt. Außerdem werde ich Dir ein paar nützliche Tipps geben mit welchen du ganz einfach erkennen kannst ob Lebensmittel noch genießbar sind.

 

Arten des Verderbs

Mikrobieller Verderb

Die wohl bekannteste Form des Verderbs ist die Zerstörung von Lebensmittel durch Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze. Wenn sich diese vermehren sondern sie Verdauungsenzyme ab, die das Lebensmittel zersetzen. Dabei werden übel riechende Stoffwechselprodukte wie Ammoniak und Schwefelverbindungen sowie Alkohl und organische Säuren produziert. Verdorbende Lebensmittel müssen nicht zwangsläufig gesundheitsschädlich sein, doch wenn sich unter den Keimen Pathogene befinden können diese Toxine produzieren die Lebensmittelvergiftungen mit Übelkeit und Durchfall auslösen können.
Bakterien fühlen sich in einem feuchten Millieu besonders wohl, daher verderben Lebensmittel mit hohem Wassergehalt schneller als sehr trockene. Zucker und Salz binden Wasser in Lebensmitteln, damit wird es für Mikroorganismen nicht mehr verfügbar und die Haltbarkeit verlängert sich stark. Ebenso hemmt die Gegenwart von organischen Säuren wie Essig- oder Milchsäure das Wachstum von Mikroorganismen erheblich.



Oxidativer Zerfall

Ungesättigte Fettsäuren sind zwar gesund, doch können diese auch oxidieren und das Lebensmittel damit ungenießbar machen. Bei diesem Vorgang werden chemische Bindungen innerhalb der Fettmoleküle durch Angreifer wie freie Sauerstoff Radikale, fettspaltende Enzyme (Lipasen) oder Schwermetalle aufgebrochen. Es entstehen hoch reaktive Abbauprodukte die wiederum weitere Fettsäuren spalten. Dieser Prozess beginnt erst langsam, wird dann aber exponentiell beschleunigt, sodass binnen kürzester Zeit das Lebensmittel ungenießbar wird. Diese Verbindungen sind zwar nicht direkt gesundheitsschädlich, doch ist es möglich, dass oxidierte Fettsäuren wenn wir sie essen in unsere Körperzellen eingebaut werden und dort weiteren Schaden anrichten. Ranzige Lebensmittel können sehr leicht an ihrem charakteristischen Geruch und Geschmack, der als stechend chemisch oder lösungsmittelähnlich beschrieben wird erkannt werden.

Enzymatischer Abbau

Vor allem pflanzliche Lebensmittel unterliegen nach der Ernte verschiedenen Abbauprozessen. Spezielle Enzyme beginnen das Fruchtfleisch abzubauen, was zur Bräunung und zum matschig werden von Obst und Gemüse sowie zur Nachreifung führt. Dies ist zwar nicht gesundheitsschädlich, doch kann das aufgeweichte Gewebe das Einnisten von Hefen und Schimmelpilzen begünstigen.

 

Mindesthaltbarkeitsdatum

Man muss wissen, dass zwischen dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und dem Verbrauchsdatum (zu verbrauchen bis…) unterschieden wird. Das MHD gibt an bis zu welchem Zeitpunkt das Lebensmittel in originalverschlossenem Zustand bei korrekter Lagerung 100% seiner wertbestimmenden Eigenschaften behält. Nach dem Ablauf dieses Datums kann sich die sensorische Qualität des Produktes langsam verändern: Beispielsweise kann sich im Joghurt Wasser absetzen oder Schimmelkäse nachreifen. Die Lebensmittelhersteller sind daher dazu geneigt, dieses Datum relativ knapp zu bemessen um gehäuften Reklamationen vorzubeugen. Dieses Datum sagt aber nicht aus, ob ein Lebensmittel tatsächlich  noch bedenkenlos verzehrt werden kann. Es ist übrigens auch nicht verboten, abgelaufene Lebensmittel zu verkaufen, wenn ausreichend darauf aufmerksam gemacht wird. Allerdings geht nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums die Haftung für die Waren vom Erzeuger auf den Händler über. Diesen Risikoübergang versuchen die großen Lebensmittelketten natürlich tunlichst zu vermeiden, daher werden Lebensmittel mit kurzer Restlaufzeit preisreduziert abverkauft oder sozialen Einrichtungen gespendet. Das Verbrauchsdatum hingegen gibt Aufschluss darüber, bis wann leicht verderbliche Lebensmittel wie Hackfleisch, Fisch oder Geflügel verbraucht oder durchgegart werden müssen. Von dem Verzehr oder der Verarbeitung nach diesem Datum wird eindringlich abgeraten!

 

Was bei verschiedenen Lebensmittel zu beachten ist:

Generell gilt, dass Lebensmittel in ihrer Originalverpackung länger genießbar bleiben, als bereits ausgepackte oder umgefüllte Ware. Auch die Länge des angegebenen Mindesthaltbarkeitsdatums gibt bereits Aufschluss darüber, wie heikel bestimmte Lebensmittel sind. Wenn etwas bespielsweise laut Hersteller 2 Jahre lang hält, kann man sich was sicher sein, dass es bei korrekter Lagerung auch noch ein drittes oder viertes Jahr genießbar bleibt. Lebensmittel die nicht in der Kühltheke gelagert werden verderben in der Regel kaum. Wenn doch, sind es meist sensorische Probleme wie Ranzigkeit oder austrocknen. Eine Sonderstellung nehmen hier Eier ein, die zwar nicht zwangsweise im Kühlschrank gelagert werden müssen, aber trotzdem einem mikrobiellen Verfall unterliegen.

Hackfleisch, Fisch und Geflügel

Auf keinen Fall nach dem Verbrauchsdatum noch verwenden, hier können sich bereits gefährliche Keime vermehrt haben, die zu einer äußert unangenehmen Lebensmittelvergiftung führen können.

Wurst

Wurstwaren sollten sicherheitshalber nach Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums ebenfalls nicht mehr verzehrt werden.Als Faustregel gilt, dass harte Wurstsorten wie Salami tendenziell länger haltbar sind, als Pariser oder Kochschinken. Vorgeschnittenes verdirbt schneller als ganze Stangen, da der Schneidevorgang nie ganz steril verläuft und so Keime auf jedem Wurstrad verteilt werden.

 

Obst und Gemüse

Sobald Schimmel erkennbar ist sollte Obst und Gemüse umgehend entsorgt werden. Durch die hohe Feuchtigkeit im Lebensmittel können sich Schimmelpilze sehr schnell ausbreiten und das ganze Lebensmittel von innen befallen ohne dass man es merkt. Sobald eine Frucht in der Obstschale schimmelt müssen auch die übrigen Früchte gründlich abgewaschen werden, um die giftigen Sporen zu beseitigen und den Pilz an der Ausbreitung zu hindern.

 

Eier

Auch Eier sind in der Regel länger haltbar, hier gibt es einen einfachen Trick um die Genußtauglichkeit festzustellen: Das rohe Ei in ein Glas Wasser legen: Sinkt es auf den Boden ist es genießbar, schwimmt es an der Oberfläche haben sich bereits Verderbskeime vermehrt und Gase gebildet, die das verdorbene Ei oben schwimmen lassen.

Brot

Brot und Gebäck können auch nach Ablauf des MHDs noch problemlos gegessen werden, solange kein Schimmel sichtbar ist. Harte Brötchen lassen sich vortrefflich aufbacken oder zu Croutons als Suppeneinlage verarbeiten. Sobald man einen Schimmelbefall erkennt, sollte sicherheitshalber das ganze Stück entsorgt werden. Im Notfall kann man den schimmeligen Teil sehr großzügig wegzuschneiden.

 

Schimmelkäse

Edelschimmelkäse wird mit speziellen ungiftigen Schimmelpilzen beimpft um für Reifung und Aroma zu sorgen. Diese harmlosen Kulturen hindern das Wachstum ihrer potenziell gefährlichen Geschwister. Liegt der angeschnittene Käse einige Zeit im Kühlschrank, kann der Schimmel auch über die Schnittfläche wuchern. Das ist aber nicht schlimm, der Käse lässt sich auch noch einige Tage nach Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums essen. Allerdings sollte man bedenken, dass die Reifung immer weiter fortschreitet und der Geschmack irgendwann so penetrant wird, dass der Käse nicht mehr genießbar ist. Wenn herkömmlicher Käse einen Pilzbefall aufweist kann dieser großzügig weggeschnitten werden. Die feste Struktur von Gouda und Co verhindern ein tieferes Eindringen des Pilzes.

 

Hartkäse

Kompakter Käse wie Gouda oder Emmentaler ist meist noch einige Tage nach Ende des MHDs genießbar, leichter oberflächlicher Schimmelbefall kann großzügig weggeschnitten werden. Schimmeligen Frischkäse sollte man allerdings entsorgen.

Milchprodukte

Joghurt und andere fermentierte Milcherzegnisse wie zum Beispiel Buttermilch sind bei korrekter Lagerung noch Wochen nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums genießbar. Die Fermentation durch Milchsäurebakterien ist eine der ältesten von Menschen genutzten Konservierungsmethoden. Durch den zunehmenden Reifegrad wird das Joghurt saurer, was aber keine gesundheitliche Gefährdung darstellt. Weiters kann sich Wasser absetzen, hier reicht jedoch einmal beherzt umrühren und die Konsistenz ist wieder einwandfrei. Verdorbenes Joghurt erkennt man leicht an Schimmelbefall, daher empfiehlt es sich Becher, die bereits abgelaufen sind vor dem Öffnen nicht zu schütteln, damit man diese Sichtkontrolle noch durchführen kann.

 

Mehl, Getreide und Müsli

Diese Warengruppe ist noch weit über das MHD hinaus genießbar, mit der Geruchsprobe lässt sich feststellen ob das Lebensmittel ranzig und somit nicht mehr genusstauglich ist. Ebenso ist auf Schimmel zu achten, diese kann Gifte bilden die die Leber zerstören. Vor allem Mehl lockt gerne Parasiten wie Motten oder Mehlwürmer an, daher sollte es immer luftdicht verschlossen gelagert werden.



 

Reis, Nudeln, getrocknete Hülsenfrüchte

Diese Lebensmittel sind bei trockener Lagerung auch noch Monate und Jahre nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums genießbar.

 

Dosenfutter

Vollkonserven werden bei 140°C sterilisiert und Mikroorganismen restlos abgetötet. Diese Produkte sind im Prinzip unbegrenzt haltbar, allerdings können nach einigen Jahren der Lagerung Geschmack und Konsistenz des Lebensmittels leiden.

 

Sauergemüse

In Essigmarinade eingelegtes Gemüse ist in ungeöffnetem Zustand auch weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum genießbar, allerdings kann das Gemüse an Farbe und Konsistenz verlieren. Einmal geöffnet kann das Glas einige Wochen im Kühlschrank aufbewahrt werden, wenn Schimmelbefall erkennbar ist, muss es entsorgt werden.

Schokolade

Schokolade kann auch nach Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums problemlos gegessen werden. Der weiße Überzug, der sich vor allem bei längerer Lagerung in wärmerer Umgebung bilden kann ist nur ein Fettaustritt der die Genusstauglichkeit nicht vermindert.

 

Gewürze

Verschlossene Gewürze sind sehr lange haltbar, allerdings ist Vorsicht geboten wenn die Gewürze offen gelagert werden und höherer Luftfeuchtigkeit, beispielsweise dem Dampf in der Küche ausgesetzt sind. Dies kann das Wachstum von potentiell pathogenen Bakterien begünstigen. Außerdem geht das Aroma bei offener Lagerung sehr schnell verloren.

 

Speiseöle

Raffinierte Speiseöle wie Sonnenblumen- oder Rapsöl sind noch weit über das MHD hinaus genießbar. Native Öle wie zum Beispiel Oliven- oder Kürbiskernöl verlieren über die Dauer der Lagerung an Geschmack, ungenießbar werden sie wenn sie ranzig sind. Das lässt sich ganz einfach anhand des typischen Geruchs erkennen. Gesundheitsgefahr besteht zwar keine, allerdings sollte das Öl trotzdem entsorgt werden. Öle mit vielen mehrfach ungesättigten Fettsäuren, wie zum Beispiel Lein- oder Walnussöl sollten nach dem Öffnen im Kühlschrank aufbewahrt werden um den Oxidationsprozess zu verlangsamen.

 

Nüsse und Schalenfrüchte

Nüsse und andere Schalenfrüchte wie Mandeln, Eicheln oder Esskastanien sind bei kühler und trockener Lagerung viele Monate haltbar. Bei zu feuchter Lagerung kann Schimmelbefall auftreten, in diesem Fall sollte die gesamte Packung entsorgt werden. Besonders fettreiche Vertreter wie Walnüsse oder Macadamias neigen außerdem zum ranzig werden. Verursacher sind meistens Qulitätsmängel der Nüsse selbst, eine luftdurchlässige Verpackung beschleunigt den Verderbsprozess weiter.

 

Salz, Zucker und Essig

Salz und Zucker können quasi nicht verderben. Bei Essig kann es zu einer Ausflockung kommen. Hierbei handelt es sich um die so genannte Essigmutter, einer aus Essigsäurebakterien bestehenden, galertartigen Masse die sich bildet wenn der Essig während der Produktion nicht vollständig durchgegoren wurde. Diese ist jedoch nicht schädlich, die Essigmutter kann bedenkenlos mitverzehrt oder abgeschöpft werden.




 

Fazit

Generell gilt sich auf seine Sinne zu verlassen: Riecht das Lebensmittel anders oder sind sichtbare Bewucherungen zu kennen ist es ziemlich sicher verdorben und sollte entsorgt werden. Bei leicht verderbliche Ware wie rohem Fleisch oder Fisch sollten man allerdings immer auf das Verbauchtsdatum achten!

Hat dir dieser Beitrag gefallen? Folge mir auf Facebook und verpasse keinen meiner Artikel!
Food Defender auf Facebook

 

 

 

Das könnte dich auch interessieren:
Eiweiß – Funktion, Bedarf und Aufnahmequellen
7 geniale Tipps für eine gesündere Ernährung
Wie dein Konsum den Planeten zerstört
Küchenhygiene und sicherer Umgang mit Geflügel

 

 

Quellen und weiterführende Links:
https://ooe.arbeiterkammer.at/beratung/konsumentenschutz/ernaehrung/Mindesthaltbarkeit.html

* Sämtliche Bild- und Textlinks zu Amazon sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn du auf so einen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst, bekommen wir von Amazon eine kleine Provision. Für dich verändert sich der Preis selbstverständlich nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.